Sommer 2017
In dieser Zeit wurde bekannt, dass das Sozialkaufhaus “Simsalabim” zum Ende des Jahres schließen muss.

Seit dem Frühjahr 2017 war ich selbst dort tätig und so erfuhr ich, dass nach 13 Jahren “Simsalabim” mit dem Second-Hand-Laden für Kinderbekleidung Schluss sein würde. Die traurige Nachricht darüber wich jedoch augenblicklich dem Vorhaben, ihn in Eigenregie weiterzuführen.
Dass es nicht leicht werden würde, war mir natürlich bewusst, hatte ich keinerlei Rücklagen in der Hand.
Schon damals war es mir wichtig, nachhaltig zu leben, Ressourcen zu sparen und allgemein etwas für die Umwelt zu tun.
Als Mutter von fünf Kindern und bisher sechs Enkelkindern will ich die Verantwortung nicht in die Schuhe nachfolgender Generationen schieben, sondern selbst aktiv werden.
Dass mein Vorhaben von offiziellen Institutionen, die laut eigener Werbung für Nachhaltigkeit stehen, belächelt und als ‘nicht unterstützenswert’ abgestempelt werden sollte, ließ mich in den Folgemonaten allerdings an mancher Weitsicht und deren Daseinsberechtigung zweifeln.

Herbst 2017, Teil 1
Aufgrund der Tatsache, dass ich mich aus der Arbeitssuche heraus selbstständig machen wollte, hieß es nun, einem vorgegebenen Termin bei einem Existenzgründungsberater nachzukommen. Im Vorfeld wurden ein Finanzierungsplan und ein umfangreicher Business-Plan erstellt.
Voller Elan und im Beisein einer meiner Söhne, der selbst im Bereich Geschäftsentwicklung (Senior Consultant & Business Development) tätig ist, nahmen wir diesen Termin wahr.
Wir wurden mit den Worten begrüßt, dass diese Beratung €80.- kostet, eine nächste das Doppelte. Das war interessant zu erfahren, immerhin wurde dieser Betrag durch das Jobcenter beglichen, worüber ich mich natürlich freute.
Von dieser Stunde saßen wir 45 Minuten schweigend am Tisch, da unser Gegenüber Zahlen in seinen PC tippte, Fragen konnten vorerst keine gestellt werden.
Als ich zum Schluss der Stunde wissen wollte, was man von meiner Geschäftsidee hält, erhielt ich die Antwort, dass man mir das nicht sagen könne, man wäre ja nicht vor Ort. Warum ich mir die Arbeit des Business-Plans gemacht hatte, war mir in diesem Moment schleierhaft.
Immerhin gab mir der werte Herr den Hinweis, dass ich fristgerecht einen Antrag auf einen Existenzgründungszuschuss von bis zu €5000.- stellen könne. Ein Lichtblick, zumindest für diesen Tag.
Für mich stand aber schon zu diesem Zeitpunkt fest, dass ich keine zweite Beratung in Anspruch nehmen würde.
Ich war weder beraten worden, noch hatte man sich mit meiner Geschäftsidee auseinandergesetzt.

Herbst 2017, Teil 2
In dieser Zeit begann ich zu zu zweifeln, zu begreifen und ja, auch zu trotzen.
Ich begegnete Bankern, Persönlichkeiten in hohen Positionen, die auf professionellen Fotos in ihren Werbeslogan für Nachhaltigkeit und Unterstützung warben. Nächte verbrachte ich auf Youtube, um mir wirklich gute Videos anzusehen, grub Quellen aus und richtete meine Bitte der Unterstützung genau an jene Personen.
Jeder, der selbstständig ist, weiß, dass sie kostet, noch ehe der erste Cent verdient ist.
Von der Möglichkeit der Hausbank bis hin zum Mikromezzaninfond, der aus Mitteln des ERP-Sondervermögen (European Recovery Program) und des Europäischen Sozialfond (ESF) refinanziert ist, war so gut wie alles vertreten. Stellen, die mein Vorhaben belächelten und ja, mich auch.
Es kam sogar soweit, dass ich einen abgelehnten Antrag erneut stellen durfte, mit angepasstem Finanzierungsplan. Das war mittlerweile der fünfte. Immer wollte man etwas anderes. Aber auch jener wurde abgelehnt und interessanterweise, ehe ich ihn überhaupt eingereicht hatte. Aus Kulanz hätte man mir nichts berechnet – schrieben sie.
Warum auch, einen zweiten Antrag haben sie nie gesehen.
Übrigens, den Schriftverkehr gibt es noch.
Man glaubte weder an das Konzept, noch wollte man etwas von Nachhaltigkeit und Umweltschutz hören, der Standpunkt sei falsch, die Mosel nicht modern genug.
Das Schlimmste für mich aber war die Tatsache, dass man den Menschen hier so wenig zutraute.
Ich aber glaubte an all das, was man so abtat.

So begann ein einsamer Weg, den ich zwar mit einer gehörigen Portion Angst und ohne Geld ging, der aber wirklich jeden eines Besseren belehren sollte.

Weiteres folgt.